Kindheit im Mittelalter bei den Rothenburger Diskursen
Zum Abschluss der Rothenburger Diskurse 2025/2026 hielt Dr. Andreas Kuhn am 13.02.2026 einen gut besuchten Vortrag zum Thema
„Steckenpferd statt Skateboard, Schuften statt Chillen – Kinder im Mittelalter“. Fast 100 Zuhörer*innen folgten der Einladung und zeigten damit Interesse an historischen Alltagswelten jenseits der klassischen politischen Geschichte.
Dr. Kuhn ist seit über zehn Jahren in verschiedenen Projekten des Hauses der Bayerischen Geschichte tätig – in Augsburg sowie Regensburg – und ist Projektleiter der Bayerischen Landesausstellung 2028 mit dem Titel „Kinder im Mittelalter“, die hier in Rothenburg ob der Tauber stattfinden wird. Er hat Geschichte und Germanistik an der Universität Augsburg studiert, wo er auch promovierte. Nach acht Jahren im gymnasialen Schuldienst in Dillingen und Augsburg ist er seit 2013 am Haus der Bayerischen Geschichte in unterschiedlichen Funktionen aktiv – unter anderem bei der Bayerischen Landesausstellung „Bier in Bayern“ (2016), als Teil des Kuratorenteams der Dauerausstellung im Museum in Regensburg sowie beim Aufbau der Bavariathek als medienpädagogischem Projektzentrum und in der Leitung der pädagogischen Abteilung.

Vom Haus der Bayerischen Geschichte zur Landesausstellung 2028
Nach einer Einführung durch Dr. Florian Diener gab Dr. Kuhn zunächst Einblicke in seine Tätigkeit am Haus der Bayerischen Geschichte sowie in die geplanten kommenden Landesausstellungen. Besonderes Augenmerk lag auf der Bayerische Landesausstellung 2028 in Rothenburg ob der Tauber, die sich umfassend dem Thema Kindheit im Mittelalter widmen wird.
Im anschließenden Vortrag stellte Dr. Kuhn zentrale Voraussetzungen für das Verständnis mittelalterlicher Kindheit vor. Dazu gehörten die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Ständegesellschaft, die besondere Quellenlage zur Geschichte von Kindern sowie grundlegende Forschungsdebatten. Er erläuterte unter anderem Thesen von Philippe Ariès und Shulamit Shahar, die die historische Wahrnehmung von Kindheit nachhaltig geprägt haben, und ordnete sie in den aktuellen Forschungsstand ein. Dadurch wurde sichtbar, wie sich historische Interpretationen im Laufe der Zeit verändern und weiterentwickeln.

Alltag, Spiel und Lebenswelt mittelalterlicher Kinder
Besonders anschaulich wurde der Abend durch Fragen, die Kinder im Haus der Bayerischen Geschichte häufig stellen und die Dr. Kuhn aufgriff: Wie wurden Geburtstage gefeiert? Gab es Schulunterricht? Wann mussten Kinder schlafen gehen? Mit welchem Spielzeug spielten sie? Und kannten sie Süßigkeiten? Anhand solcher alltagsnaher Themen eröffnete der Vortrag einen lebendigen Zugang zur mittelalterlicher Kindheit und zeigte zugleich die Grenzen historischer Überlieferung auf. Viele Antworten lassen sich nur indirekt aus Quellen erschließen – ein Umstand, der die historische Forschung ebenso herausfordernd wie spannend macht.
Die anschließende Diskussion mit dem Publikum knüpfte an diese Fragen an und weitete sie aus. Die zahlreichen Wortmeldungen verdeutlichten, wie stark das Thema Kindheit als historischer Spiegel gesellschaftlicher Werte und Normen wahrgenommen wird. Der Abend bot damit nicht nur Wissensvermittlung, sondern auch Raum für Reflexion über Kindheit im historischen Vergleich.

Wir danken Dr. Andreas Kuhn herzlich für seinen fundierten, anschaulichen und anregenden Vortrag. Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie historische Forschung ein breites Publikum erreichen kann. Zugleich weckte sie Vorfreude auf die Bayerische Landesausstellung 2028, die das Thema Kindheit im Mittelalter weiter vertiefen und einer noch größeren Öffentlichkeit zugänglich machen wird.
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